BRAND­BRIEF

Hundehalter, Vereine und jahrhundertealte Hunderassen brauchen endlich Rechtssicherheit und Schutz!

Sehr geehrte Damen und Herren,

sehr geehrte Abgeordnete,

sehr geehrte politisch Verantwortliche,

wir wenden uns heute mit großer Sorge und zunehmendem Unverständnis an Sie.

In Deutschland erleben Hundehalter, Züchter, Vereine und Veranstalter aktuell, dass Veranstaltungen rund um den Hund mit teilweise unerfüllbaren oder sogar gesundheitsgefährdenden Auflagen belegt, eingeschränkt oder untersagt werden. Betroffen sind längst nicht mehr nur klassische Hundeausstellungen. Betroffen und belegt mit dem unsäglichen Begriff der „Qualzucht“ sind mittlerweile fast alle Hunderassen, ebenso wie selbstverständlich Mischlinge.

Es geht aber nicht nur um Ausstellungen. Es geht auch um Hundesport, um Vereinsveranstaltungen, um gemeinsame Feste, Treffen sowie Spaziergänge – Aktivitäten also, die seit Jahrzehnten selbstverständlich zum gesellschaftlichen und sozialen Leben von Hundehaltern und ihren Vereinen gehören.

Ja, selbstverständlich brauchen wir Tierschutz – aber wir brauchen auch Rechtssicherheit! Und vor allem brauchen wir Verhältnismäßigkeit und die Beachtung von wissenschaftlichen Grundlagen. Es versteht sich von selbst, dass diese nicht aus veralteten Dokumenten bestehen sollten…

Niemand, der verantwortungsvoll mit Tieren lebt, sie züchtet, ausbildet oder im Hundesport führt und täglich mit ihnen in der Familie lebt, stellt den Schutz von Tieren infrage.

Im Gegenteil.

Wir alle unterstützen einen konsequenten und wissenschaftlich fundierten Tierschutz ausdrücklich.

Aber Tierschutz darf nicht zu einem System führen, in dem für Vereine und ihre Mitglieder kein Vereinsleben mehr möglich ist und durch die Hintertür ganze Hunderassen unter dem Deckmantel vermeintlich guter Intention ausgelöscht werden - in Deutschland…

Ja, es geht inzwischen um die Zukunft aller Hunderassen. Und es geht auch nicht nur um Hunde. Es geht ebenso um Katzen. Um Pferde. Um Ziervögel und Zierfische. Um Meerschweinchen. Und um Kaninchen usw.

Damit kann eine Entwicklung in Gang gesetzt werden, deren Konsequenzen weit über ein Ausstellungsverbot hinausreichen. Nach dem Ausstellungsverbot kommt naturgemäß das Zuchtverbot. Danach dann das Einfuhrverbot und dann das Haltungsverbot.

Denn wenn Hunde bestimmter Rassen nicht mehr ausgestellt, präsentiert oder züchterisch eingesetzt werden können, weil ein rassetypisches Merkmal unabhängig vom Gesundheitszustand des individuellen Tieres zum Ausschluss führt, kann dies faktisch einem Verbot einer Rasse durch die Hintertür gleichkommen.

Das betrifft teilweise Hunderassen, deren Geschichte Jahrhunderte oder sogar Jahrtausende zurückreicht.

Nackthunderassen beispielsweise gehören in ihren Ursprungsländern teilweise zum kulturellen und kynologischen Erbe. Generationen von Menschen haben diese Rassen erhalten und weiterentwickelt. Es geht aber auch um alle Hunderassen, die für eine bestimmte Arbeit gezüchtet und damit geformt wurden. Die Zucht von Rassehunden ist wichtig, denn:

Hunde arbeiten als Assistenz-, Therapie-, Rettungs-, Such-, Hüte-, Wach- und Diensthunde. Andere begleiten ältere oder einsame Menschen, unterstützen Familien und geben Kindern Sicherheit und Geborgenheit.

Hunde sind Sportpartner, Arbeitskollegen und Familienmitglieder. Das ist besonders wichtig vor dem Hintergrund der zunehmenden Digitalisierung unserer Welt. Unsere Haustiere sind hier ein entscheidendes Bindeglied zur Natur, zur Realität, zu Nähe und Wärme.

Unsere unterschiedlichen Hunderassen sind das Ergebnis einer jahrhundertelangen gemeinsamen Geschichte von Mensch und Hund. Diese Vielfalt verdient Schutz.

Und sie verdient Wissenschaft statt Pauschalurteil.

Wir fordern ausdrücklich nicht, gesundheitliche Probleme bestimmter Zuchtlinien oder einzelner Tiere zu ignorieren.

Wo ein Hund tatsächlich unter erblich bedingten gesundheitlichen Beeinträchtigungen leidet, muss verantwortungsvolle Zucht reagieren.

Aber zwischen der Feststellung eines gesundheitlichen Problems bei einem individuellen Tier und der pauschalen Verurteilung und dem Verbot einer ganzen Rasse durch die Hintertür liegt ein gewaltiger Unterschied.

Tierschutz muss sich an nachweisbaren gesundheitlichen Beeinträchtigungen orientieren – nicht allein an der Zugehörigkeit zu einer Rasse oder am Vorhandensein eines Merkmals.

Veterinärmedizinische Erkenntnisse, Genetik, Populationsgenetik, wissenschaftliche Forschung und die Erfahrung verantwortungsvoller Zuchtverbände müssen gemeinsam berücksichtigt werden.

Vereine dürfen nicht dafür bestraft werden, dass sie Gentests und zuchthygienische Maßnahmen durchführen. Dies ist NICHT der Beweis, dass diese oder jene Hunderasse krank ist. Im Gegenteil. Es ist der Beweis für verantwortungsvolle Zucht!

Und was ist mit genetischer Vielfalt?

Wer bestimmte Hunde systematisch von Zucht und Ausstellung ausschließt, muss auch die populationsgenetischen Folgen bedenken.

Hunde - oder andere Haustiere - schützt man nicht, indem man ihre verantwortungsvolle Zucht unmöglich macht.

Und unsere Vereine und Züchter sind auch nicht das Problem – sie sind ein Teil der Lösung!

Hundevereine und Zuchtverbände leisten seit Generationen wichtige ehrenamtliche Arbeit, auf der ganzen Welt, aber besonders auch in Deutschland.

Es sind diese Menschen, die Gesundheitsprogramme und Untersuchungen organisieren, die Zuchtbücher führen, Abstammungen dokumentieren und Hunde und Halter ausbilden. Genau diese Menschen in den Vereinen, die jetzt öffentlich am Pranger stehen, fördern Sozialverträglichkeit und unterstützen wissenschaftliche Untersuchungen.

Hundesportplätze und Vereinsgelände sind außerdem soziale Treffpunkte.

Hier begegnen sich Jung und Alt. Hier entstehen Freundschaften. Hier lernen Menschen den verantwortungsvollen Umgang mit ihren Hunden.

Wenn selbst Vereinsfeste, gemeinsame Aktivitäten oder organisierte Spaziergänge zunehmend unter einen kaum vorhersehbaren Genehmigungs- und Auflagenvorbehalt geraten, müssen wir uns fragen:

Wo soll diese Entwicklung enden?

Deshalb wenden wir uns an Sie.

Wir bitten Sie nicht um weniger Tierschutz.

Wir wollen besseren Tierschutz – wissenschaftlich fundiert, verhältnismäßig und rechtssicher.

Wir fordern:

* transparente Vorgaben für Veranstalter und Vereine, die bereits im Vorfeld Rechtssicherheit schaffen;

* eine wissenschaftlich belastbare Grundlage für die Bewertung erblich bedingter gesundheitlicher Beeinträchtigungen;

* die Einbeziehung von Tierärzten, Wissenschaftlern, Genetikern UND Zuchtverbänden, Hundesportorganisationen UND betroffenen Vereinen in politische und administrative Entscheidungsprozesse;

* die Berücksichtigung von Populationsgenetik und genetischer Vielfalt;

* den Schutz historischer und kulturell bedeutsamer Hunderassen;

* sowie eine klare politische Grenze gegenüber Maßnahmen, die faktisch zur Verdrängung oder zum Verschwinden ganzer Hunderassen und zum Ende des Vereinslebens in Deutschland führen können.

Wir brauchen einen Dialog – jetzt.

Und wir appellieren an Sie als politische Entscheidungsträger:

Schauen Sie genau hin. Und fragen Sie nach. Und sprechen Sie mit den Menschen, die seit Jahrzehnten Verantwortung für Hunde übernehmen.

Tierschutz und Hundewesen sind keine Gegner und sollten auch nicht dazu gemacht werden!

Verantwortungsvolle Züchter und Vereine dürfen nicht länger in eine kriminelle Ecke gestellt werden!

Verantwortungsvolle Hundehalter, Züchter und Vereine sind natürliche Verbündete eines wirksamen Tierschutzes.

Wir brauchen Wissenschaft statt Ideologie.

Wir brauchen Verhältnismäßigkeit statt Überregulierung.

Unsere Hunde können nicht für sich selbst sprechen.

Unsere Vereine können es!

Und die Politik muss ihnen endlich zuhören

Mit freundlichen Grüßen

Sarah Boyd

1. Vorsitzende Bundesverband Tier&Recht

www.trier-und-recht.com

   
© Club für Britische Hütehunde e.V.